Schriftgröße: A A A

Herzlich Willkommen > Das Konzept > Umsetzungsbeispiel

Umsetzungsbeispiel


(entnommen aus: Theunissen 2008)

„Janet, 2,6 Jahre alt, verzögerte Entwicklung, reagiert mit massivem Schreien, Werfen von Gegenständen und Kopfschlagen sobald Mary, ihre Mutter, sie beiseite setzt, um alltägliche Hausarbeiten zu verrichten. Um die Auffälligkeiten zu vermeiden, trägt Mary Janet über längere Zeit am Tage mit sich herum und nimmt sie zumeist auch während der Zubereitung von Mahlzeiten auf ihren Schoß oder Arm. Janets Schreien und Kopfschlagen war für ihre Eltern, Mary und Reg, unerträglich. Marys größter Wunsch war es, ‚mit Janet besser klar zu kommen’, um wieder zu sich selbst zu finden, Selbst-Sein zu dürfen. Zugleich erhoffte sie sich auch ein besseres Verhältnis zu Reg, der gleichfalls die Hoffnung auf bessere Zeiten äußerte.

Direkte Verhaltensbeobachtungen ergaben, dass Janet tatsächlich immer dann, wenn sie von ihrer Mutter beiseite gesetzt oder nicht beachtet wurde, mit den genannten Auffälligkeiten reagierte. Sobald Janet hingegen positive Zuwendung durch Körperkontakt (auf dem Arm tragen, auf dem Schoß sitzen) erhielt, beruhigte sie sich und es traten keine der beklagten Verhaltensweisen mehr auf. Weiteren Beobachtungen war zu entnehmen, dass Janets Ausdrucksformen im sprachlichen bzw. kommunikativen Bereich sowie ihr Spielverhalten erheblich eingeschränkt waren. Zudem konnte sie sich tagsüber nur für wenige Minuten alleine beschäftigen. Auf der Grundlage des indirekten und direkten funktionalen Assessment wurde angenommen (Arbeitshypothesen), dass die Funktion des auffälligen Verhaltens darin bestand, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und Zuwendung zu erhalten. Zugleich wurden die Auffälligkeiten als Zeichen eingeschränkter Kommunikation betrachtet und mit dem mangelnden Spielverhalten in Verbindung gebracht. Die Aufmerksamkeit der Mutter galt als Verstärker des auffälligen Verhaltens. Vor diesem Hintergrund wurde ein Unterstützungsprogramm entwickelt, welches vorsah, ein funktionales Kommunikationstraining mit einem modifizierten Time Out durchzuführen: Um die Aufmerksamkeit der Mutter zu bekommen, wurde Janet zunächst beigebracht, „Mutti bitte” zu sagen. Reagierte sie stattdessen mit Schreien, erfolgte das modifizierte Time Out, indem die Mutter den Raum verließ und sobald Janet aufhörte zu schreien, wieder den Raum betrat. Sobald sie „Mutti bitte” sagte (funktionales Äquivalent für das Schreien), durfte sie auf den Schoß der Mutter (positive Verstärker). Ferner hatten die Beobachtungen ergeben, dass Janets Spielverhalten sehr begrenzt war und dass sie nicht alleine spielen konnte. Daher wurde in einem zweiten Schritt der Aufbau eines autonomen Spielverhaltens in den Blick genommen, indem Janet zeitgleich zur Zuwendung und zum Körperkontakt zur Mutter eine Barbiepuppe angeboten wurde (ein Spielangebot, das in ihrem Interessenbereich lag). Dadurch sollte die Aufmerksamkeit auf die Puppe umgelenkt bzw. erweitert werden. Sobald sich Janet der Puppe zuwandte, wurde sie von Mary gelobt, später dann dazu animiert, mit der Puppe zu spielen, was wiederum positiv durch Lob verstärkt wurde. Auf der Grundlage dieses Programms konnte Janet zu einem eigenständigen Spielverhalten befähigt werden. Dies führte dazu, dass sie unabhängiger von ihrer Mutter wurde und sich für einen immer länger werdenden Zeitraum am Tage selbstständig mit ihren Puppen (Kämmen, An- und Auskleiden, Füttern etc.) symbolhaft-spielerisch beschäftigen konnte. Zeitgleich konnten die beklagten Auffälligkeiten abgebaut werden.”



Positive Verhaltensunterstützung
Home